Es ist Corona-Krise und die Aktienmärkte steigen, als ob es kein Morgen gäbe. Aber die Märkte deshalb als «irrational» abzutun, wäre verfehlt. Im Gegenteil: Sie demonstrieren die Ausweglosigkeit der gegenwärtigen Geldpolitik.
«Wenn die Krise alles verfinstert hat, werden Kinder des Lichts die Sterne anzünden.» Ob der belgische Schriftsteller und Seelsorger Phil Bosman eine Krise vor Augen hatte, wie sie die Menschheit gerade durchlebt, als er diesen hoffnungsvollen Satz schrieb, wissen wir nicht.
Doch heute wissen wir: Ein Kind des Lichts, welches in der Krise Sterne angezündet hat, sind die Notenbanken mit ihren «What ever it takes»-Rettungspaketen. Der blanken Panik, welche die Börsen weltweit im Februar und März gepackt hatte, folgte eine dermassen rasante Aufholjagd, die zu von der Wirtschaft entkoppelten Bewertungen führte.
Und wenn die Aktienmärkte derzeit als völlig ausser Rand und Band erscheinen: Sie sind es nicht. Denn diese Corona-Krise ist tatsächlich anders als alle anderen vorhergegangenen Wirtschafts- und Finanzkrisen der Neuzeit. Zwar suchen und finden wir die Referenzpunkte anderer Krisen, deren Ausmass noch schlimmer war und deren Folgen noch verheerender. Wir tappen dabei aber in die Psychofalle des Availability Bias, das Verfügbarkeitsfehlverhalten.
Die Corona-Pandemie rief sofort Bilder der Spanischen Grippe hervor, die in den 1920er-Jahren gewütet und zig Millionen von Toten gefordert hatte. Die Mortalitätsprognosen im Zusammenhang mit COVID-19 orientierten sich an den Opferzahlen der Spanischen Grippe.
Der Availability Bias schlug auch zu, um ein drohendes Ausmass der immensen wirtschaftlichen Folgen des Corona-Lockdowns zu illustrieren. Herhalten muss immer die Mutter aller Krisen, die Grosse Depression in den USA in den 1930er-Jahren. Sofort sehen wir die Bilder der Bank Runs, der Zehntausenden von Arbeitslosen, der hungernden Menschen und Kinder, die Schuhsohlen kochen. Wir fallen weiter dem Availability Bias zum Opfer, wenn wir uns zu wenig fragen, was an der derzeitigen Krise anders ist.
Die Antwort ist: Es sind die Notenbanken. Machten die Geldpolitiker in der Grossen Depression oder in der Weimarer Republik noch verheerende Fehler, sind sie heute die Kathedralen der Stabilität und des Vertrauens. Ihr Einfluss und ihre Machtstellung demonstrierten sie nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Bretton-Woods-System und der neuen Währungsordnung. Monetarismus und die Regulierung der Geldmenge wurden in den 1970er-Jahren vollends zum anerkannten Steuerinstrument des Wirtschaftsablaufs. Alan Greenspan leitete als Chef der US-Fed nach Ausbruch der Dotcom-Krise mit seinen Zinssenkungen den nächsten Börsenzyklus ein. Im Lehman-Kollaps und dann erneut in der Euro-Krise erwiesen sich die Notenbanker als Retter des Finanzsystems. Inzwischen scheint das Vertrauen in die Zins- und Geldpolitik unerschütterlich.
Das zeigen uns die Märkte mit aller Deutlichkeit. Aber die Börsen streben nicht alleine wegen des Vertrauens in die Notenbanker in immer höhere Sphären. Das herausragende Merkmal dieser Krise ist, dass es ausser den Aktienmärkten keine liquiden Alternativen gibt, um Geld investieren zu können.

In allen vorangegangenen Krisen konnten Investoren das Geld vom Tisch nehmen und eine AAA-Staatsanleihe kaufen. In der Regel verdoppelte man damit alle zehn Jahre sein Geld, wenn man die Coupons reinvestierte. Heute ist dies nicht mehr möglich. Die Notenbanken haben eine neue Ära eingeläutet.
Jetzt werden mit negativen Zinsen Sparer und Käufer von Staatsanleihen enteignet. Doch gibt es auch hier Kinder des Lichts, welche die Sterne im Depot anzünden: Dividendenstarke Aktien und selektiv gewählte Unternehmensanleihen sind bei AGFIF International bereits seit Jahren die renditestarken Alternativen.
Mojmir Hlinka
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